1920-1940  1945-1960 • 1961-1975

 

Daß er mit seiner Tatkraft schon 1920 ein bißchen Großkreisinitiative entwickeln könnte, hätte sich Schuhmachermeister und Kohlenhändler Hermann Wilmer, gebürtig aus Wüllen, nicht erträumen lassen. Denn ihm und seinen Freunden ist es zu verdanken, daß in jenem zweiten Nachkriegsjahr, die Freiwillige Feuerwehr Alstätte ins Leben gerufen wurde. Und daher darf die ganze Gemeinde mit Recht ihren Dank an jene Männer richten, die zu der Gründungsversammlung erschienen waren: Mit Hermann Wilmer zusammen Heinrich Asbeck, Hermann Asbeck, Wilhelm Asbeck und Anton Reiners sowie Willibald Kuhl, Johann Heffler, Wilhelm Wilpers und Theodor Asbeck. Die damalige Musikkapelle, als deren Vertreter Hermann Terhaar, Hermann Redlich, Hermann Wielens, Heinrich Wielens und Rektor Heitmann der historischen Stunde beiwohnten, wurde sogleich zur Feuerwehrkapelle umfunktioniert — wenn man die Musikkapellenära hinzuzählt, verbindet sich also mit ihrem allerersten Erscheinen, gleichzeitig mit dem Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr, ein Rückblick auf ein inzwischen 100 jähriges Bestehen!
Der neue Gemeindeschützling, die Feuerwehr, wurde auf seiner Gründungsversammlung, natürlich sofort mit der notwendigen Führungsschicht besetzt. Zum Wehrführer wurde Heinrich Asbeck, als dessen Stellvertreter Willibald Kuhl gewählt. Als erster Schriftführer und Obersteiger zugleich fungierte Hermann Asbeck. Daß Alstätte schon 1920 die segensreiche Einrichtung einer Feuerwehr anerkannte, dokumentierte sich, schon allein in der Tatsache, daß ihr Mitgliederbestand in kurzer Zeit 89 Kameraden aufweisen konnte. 14 davon durften schon im ersten Jahr ihre Würde in Uniformen präsentieren. Von der Gemeinde wurde man mit Alarmhörnern ausgestattet, und da in unserer Dorfgemeinschaft bereits eine Pumpe vorhanden war, die von der Freiwilligen Feuerwehr einfach übernommen werden konnte, stand einer Gangschaltung, in Richtung vorwärts, für die Wehr nichts mehr im Wege. Doch trotzdem freiwillig, wurde gleich für Ordnung in den eigenen Reihen gesorgt. Wer zum Beispiel den Wehrübungen unentschuldigt fernblieb, dem wurden 50 Pfennig abkassiert, Zuspätgekommenen nur 25 Pfennig für Großmutterszeiten bestimmt ein empfindlicher Fingerzeig.
Aber zu ihrer vollen Einsatzfähigkeit mangelte es der Alstätter Wehr eben noch an vielem und deshalb kam Alstätte, mit ihr unerwarteterweise, auch zu kulturellen Genüssen: Um weitere notwendige Anschaffungen besorgen zu können, brachte sie Theaterstücke zur Aufführung
Das für alle sichtbare Resultat: Eine gekaufte Spritze mit Pferdezug, und 160 m Schlauchmaterial konnten angekauft werden.
In jener Zeit, fungierte H. Hövener als Kreisbrandmeister. Und nicht nur die damals eingesetzten Fuhrleute, Render, Lösing, Böcker und Krösmann profitierten von einem, für die Mitarbeit geschaffenen, finanziellen Ansporn: Wer bei einem Alarm als Erster zu seiner Aufgabe parat war, wurde mit 10 RM, der Zweite mit 5 RM prämiert. Aber wohl auch, ohne diesen Schub, in den Beinen, bestand die Wehr ihre „Feuertaufe“ glänzend, als es Brände, bei Boom und Frenker-Hackfort, zu löschen galt.
1925
Im Jahre 1925 verfügte unsere Wehr schon über zwei Handspritzen, die die Anlage von Feuermeldestellen, und zwar bei den Mitgliedern Göckner, Wilmer und Hörst notwendig machten. Zu deren Erprobung startete man einen Probealarm, jedoch ließ man damit das Wehrtraining nicht bewenden. Bis zum Erbau eines eigenen Steigerturms kutschierten Alstättes Wehrmänner regelmäßig nach Wüllen mit dem Fahrrad, um sich dort im Steigen zu üben.
Das naheliegende Übel, nämlich mehrere Wald-, Heide- und Moorbrände, mußten die frisch- geschulten Kräfte freilich nun auf sich nehmen, und dabei erwies es sich als ausgesprochen nützlich, daß die Musiker Heinrich Terhaar, Fritz Lansing, Heinrich Rolfing, Hermann Wielens, Heinrich Wielens, Joseph Schwiep, A. und H. Lösing sowie Franz Böckenhoff, im Ernstfall als Ordnungsmannschaften eingesetzt werden konnten.
Das Jahr 1925 hatte abschließend eine personelle Veränderung zu verzeichnen: Heinrich Asbeck legte nach fünf Jahren sein Amt als 1. Wehrführer nieder. Als sein Nachfolger wurde Karl Marink einstimmig gewählt.
1926
Mit 600 RM Gemeindemitteln wurde es der gesamten Wehr 1926 zum ersten Mal ermöglicht, in voller „Montour“ ihre Würde auszufüllen. Die Restkosten wurden mit einer monatlichen Zahlung von einer RM der Mitglieder getilgt, wobei es Heinrich und Wilhelm Asbeck sowie Gerhard Hörst riskierten, als Bürgen über die Gesamtfinanzierung aufzutreten.
Mit unermüdlichem Ehrgeiz ,wurden in der Folgezeit Schwierigkeiten, die sich mit mehreren Einladungen verbanden, gemeistert. Geschlossen nahm man an den Feiern zum Volkstrauertag 1926 teil und stiftete aus diesem Anlaß einen Kranz. Gleichfalls mit demselben Enthusiasmus trat man zum Stiftungsfest der Freiwilligen Feuerwehr Wessum am 9. Mai 1926 an: die Feuerwehrkapelle war mit von der Partie. Ihre kameradschaftliche Gemeinschaft demonstrierte die Freiwillige Feuerwehr Alstätte, mitsamt ihrer Kapelle, auch auf dem Kreisfeuerwehrverbandstag in Vreden. Gegen ein Entgelt stellten damals die Kameraden Krösmann, Heffler, Asbeck, und van Weyck ihre Pferde zur Verfügung. Das derart
erfreuliche Jahr 1926 wurde mit
einem Probealarm, der bei Her-
mann Bredeck ausgelöst worden war, abgeschlossen. Er wurde zu einem eindrucksvollen Beweis für die Schnelligkeit der Alstätter Wehrmänner.


1927
Zahlreiche Brände galt es im Jahre 1927 einzudämmen. In der Bauerschaft Gerwinghook stand am 8. September die Scheune bei Zellers-Rolwer lichterloh in Flammen den heraneilenden Wehrmännern blieb nichts anderes übrig, als die benachbarten Gebäude vor einem Übergreifen des Brandes zu schützen.
Ein weiterer erfolgreicher Einsatz markierte eine nachbarliche Löschhilfe die in Wessum am 4. Oktober geleistet wurde.
1928
Mit der Aushebung des Brandbrunnens an der Alstätter Kirche im Jahre 1928 wurde der Funktionsfähigkeit der Wehr ein neues Glied hinzugefügt. Ein wahrhaft leuchtender Höhepunkt wurde dem Jahre 1929 aufgesetzt: Mit einem Fackelzug gratulierte die gesamte Wehr Pastor Möllers zu seinem goldenen Priesterjubiläum.
1930
Im nächsten Jahr konnte die Schlagkraft der Freiwilligen Feuerwehr mit der Anschaffung von Tragbahren und weiteren Ausrüstungsteilen entschieden verbessert werden. Die Brände ließen dann auch nicht— ironischerweise gesagt — lange auf sich warten. Die Alarmhörner bliesen unter anderem als am 6. September gegen 22.30 Uhr in der Bauerschaft Schmäinghook Wohn- und Stallgebäude von Gemeindevorsteher Frenker-Hackfort ein Raub der Flammen wurden. Wie brauchbar, sich die neu installierten Brandbrunnen an der Kirche und bei Averbeck erweisen sollten, zeigte sich, als am 1. November 1930 für das Wohngebäude von Niehues-Heidemann, an der Ahauser Straße, Alarm geschlagen wurde.
1931—1933
Ihre Einsatzfreude mußte die Freiwillige Feuerwehr Alstätte auch in den Jahren 1931—1933 mehrfach unter Beweis stellen. In der Bauernschaft Brink wütete am 25. Mai 1931 im Schuppen von Kötters-Perick ein Brand, doch konnten anliegende Gebäude gerettet werden. Witwe Wielens in der Langestraße, sah sich am 25. August desselben Jahres einer Feuersbrunst in ihrem Wohngebäude gegenüber. Innerhalb von zwei Jahren brach über Gemeindevorsteher Frenker-Hackfort zum zweiten Mal der Feuerteufel nieder. Obwohl seine Scheune niederbrannte, wurde der Neubau verschont. An der Stelle, auf der jetzt die Familie Frenker Hackfort / Fleer wohnt, vernichtete am 30. August 1932 gegen 9 Uhr ein Feuer das Domizil von Familie Hermann Hörst. Ein Blitzeinschlag entzündete dann nachmittags um 16 Uhr in der Bauernschaft Beßlinghook das Heim von Bernhard Terhaar-Engbers. In Lünten loderte es am 8. September 1932 am Wohnhaus von Familie Steinhoff. Schließlich holte man sich am 20. Juni 1933 Brandblasen bei Familie Reiners an der Friedhofstraße. — Ihr rein menschliches Feuer ließen die Alstätter Wehrmänner endlich wieder am 3. September 1933 aufblitzen — auf dem Bezirksfeuerwehrfest in Ahaus. Die schicksalhafteste Entscheidung des Jahres: Die Feuerwehrkapelle verselbständigte sich und aus den Resten formierte sich die Knüppelkapelle.
1934
1934 tauchten auf der „Auftragsliste“ der Freiwilligen Feuerwehr einige Wald- sowie Kleinbrände auf. — Karl Marink, langjähriger Wehrführer, legte 1937 sein Amt nieder. Für lediglich ein Jahr trat Anton Feldkamp seine Nachfolge an.
Alstätte bekam auch reichlich, direkt oder indirekt, die gebieterische Hand des Krieges zu spüren. Die von ihm leergefegten Plätze im Feuerwehrdienst veranlaßten die Gemeinde zur Verpflichtung mehrerer neuer Wehrmänner. Alstättes Wehrführer Nr. 4, Gerhard Wessendorf, mußte schon 1940 einer Einberufung zur Wehrmacht Folge leisten. Als Nachfolger bzw. Stellvertreter waren sich Heinrich Heidemann und Gerhard Hörst ihrer Pflichten voll bewußt. Fliegeralarm — die vier neu angeschafften Alarmhörner stießen immer wieder ihre Unheil verkündende Begleitmusik aus. Überhaupt war die Freiwillige Feuerwehr mit Flugzeugabstürzen und Notabwürfen von Bomben voll beschäftigt und die unvorstellbare Not forderte das Letzte an Einsatz ab.
Trotz dieser schwierigen Zeit sorgte Gruppenführer Boom für die fortschreitende Ausbildung im feuerwehrtechnischen Dienst.

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